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B2B hat die Orientierung verloren. Und findet sie gerade wieder.

10. Oktober 2025

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B2B Marketing, Brand Marketing

Zwischen Performance-Wahn und Brand-Renaissance: Warum der Mut zur Marke über Pipeline-Erfolg entscheidet


Die letzten Jahre haben B2B-Marketing in eine Sackgasse geführt. Performance wurde zur Religion. Alles musste messbar sein. Sofort. Jeder Klick, jeder Lead, jede Conversion – dokumentiert, optimiert, skaliert. Das Ergebnis? Marken, die an Gewicht verloren haben. An Vertrauen. An Wirkung.

 

Adweek nennt es den “B2B Brand Marketing Shift”. Andy Burrell von Nokia spricht von Mut – hart erkämpfte Einsicht eines Mannes, der 25 Jahre in der Telekommunikationsbranche verbracht hat. Denn die Welt wartet nicht auf sichere Marken. Ohne Marke gibt es kein Vertrauen. Ohne Vertrauen kein Meeting. Ohne Meeting keine Pipeline.

 

Die Wahrheit ist unbequem: Die meisten Marketing-Teams haben verkauft, aber nie überzeugt. Sie haben optimiert, aber nie etwas verändert.

 

Jetzt verschiebt sich der Markt. CEOs fragen nach Impact, nicht nach CPMs. Käufer reagieren auf Charakter, nicht auf Retargeting. Wer nur Kampagnen skaliert, verliert an Relevanz. Wer Überzeugung skaliert, gewinnt Marktanteile.

 

Es geht nicht um Image. Es geht um Business. Und wenn Ihr Funnel stockt, liegt es selten am Kanal. Fast immer liegt es am Mut.

 

Die Performance-Falle: Wie B2B-Marketing seine Seele verkaufte

 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut einer Studie von StackAdapt und eMarketer investieren 58% der B2B-Marketer mindestens die Hälfte ihres Budgets in Lead-Generierung. Search und Social dominieren. Performance-Kanäle, die schnelle Ergebnisse versprechen. Messbar. Kontrollierbar. Sicher.

 

Aber sicher wofür?

 

Die gleiche Studie zeigt: 63% der Marketer sehen Brand-Building als essenziell für Wachstum an – doch die Messung des ROI bleibt die größte Herausforderung. Das ist der Kern des Dilemmas. Marketing-Teams wurden darauf trainiert, alles zu rechtfertigen. Jede Ausgabe. Jede Kampagne. Jeder Euro muss sich in einem Dashboard wiederfinden, am besten innerhalb von 30 Tagen.

 

Diese Denkweise hat eine Generation von Marketern hervorgebracht, die brillant darin sind, Klicks zu optimieren – aber vergessen haben, wie man Überzeugungen aufbaut.

 

Andy Burrell bringt es auf den Punkt: “Nur ein kleiner Teil Ihrer Käufer ist zu einem bestimmten Zeitpunkt im Markt. Sie müssen sicherstellen, dass Ihre Marke relevant und top of mind bleibt, wenn sie bereit sind, einen Kauf in Betracht zu ziehen.”

 

Das Problem? Die meisten B2B-Unternehmen haben in den letzten Jahren genau das Gegenteil getan. Sie haben in kurzfristige Taktiken investiert, die nur die 5-10% ansprechen, die jetzt kaufen wollen. Die anderen 90%? Vergessen. Unsichtbar. Verloren an Wettbewerber, die mutiger waren.

 

Vertrauen ist die neue Währung – und die meisten sind bankrott

 

Forrester-Forschung zeigt, dass Vertrauen der wichtigste Faktor in B2B-Kaufentscheidungen ist. Nicht Preis. Nicht Features. Nicht einmal ROI. Vertrauen.

 

Noch drastischer: 43% der B2B-Käufer geben zu, dass sie in mehr als 70% der Fälle defensive Kaufentscheidungen treffen. Sie wählen nicht das beste Produkt. Sie wählen das sicherste. Das, bei dem sie nicht gefeuert werden, wenn es schiefgeht.

 

Das ist die Realität, in der B2B-Marketing heute operiert. Eine Welt, in der Käufer Angst haben. Angst vor Fehlentscheidungen. Angst vor Karriererisiken. Angst vor dem Unbekannten.

 

Und wie reagieren die meisten Marketing-Teams darauf? Mit mehr Retargeting-Ads. Mit aggressiveren Nurturing-Sequenzen. Mit noch mehr “Book a Demo”-Buttons.

 

Das ist, als würde man versuchen, Vertrauen mit einem Megafon aufzubauen.

 

Vertrauen entsteht nicht durch Frequenz. Es entsteht durch Konsistenz. Durch Kompetenz. Durch Empathie. Durch das Gefühl, dass ein Unternehmen versteht, worum es wirklich geht – nicht nur um den nächsten Deal, sondern um die langfristige Partnerschaft.

 

Forbes fasst es treffend zusammen: Die wichtigste Frage, die sich Käufer stellen, ist nicht “Was kann dieses Produkt?”, sondern “Kann ich diesem Unternehmen vertrauen?”

 

Und genau hier versagen Performance-Marketing-Strategien. Sie sind nicht darauf ausgelegt, Vertrauen aufzubauen. Sie sind darauf ausgelegt, Transaktionen zu erzwingen.

 

Der Shift: Warum jetzt alles anders wird

 

Etwas Grundlegendes verändert sich gerade im B2B-Marketing. Nach Jahren des Performance-Dogmas beginnt ein Umdenken.

 

Laut der StackAdapt-Studie planen 40% der Marketer, ihre Brand-Building-Budgets im nächsten Jahr zu erhöhen. Fast die Hälfte gibt zu, dass sie mehr in Marke investieren würden, wenn das Budget es zuließe.

 

Das ist bemerkenswert. Nicht weil die Zahlen so hoch sind – sondern weil sie überhaupt existieren. Vor fünf Jahren hätte niemand gewagt, öffentlich zuzugeben, dass Brand-Building wichtiger sein könnte als Lead-Generierung. Heute ist es Teil der strategischen Diskussion.

 

Was hat sich geändert?

 

Erstens: Die Performance-Kanäle sind gesättigt. CPCs steigen. Conversion Rates sinken. Die gleichen Taktiken, die vor drei Jahren funktionierten, liefern heute nur noch marginale Ergebnisse. Marketing-Teams merken, dass sie in einem Hamsterrad gefangen sind – mehr Budget, mehr Aufwand, aber kein proportionales Wachstum.

 

Zweitens: Die Käufer haben sich verändert. Sie sind müde. Müde von generischen LinkedIn-Ads. Müde von aufdringlichen Sales-Mails. Müde von Unternehmen, die alle gleich aussehen, gleich klingen und die gleichen leeren Versprechen machen. Sie suchen nach Authentizität. Nach Substanz. Nach Unternehmen, die wirklich etwas zu sagen haben.

 

Drittens: Die CEOs haben die Rechnung bekommen. Jahrelang haben Marketing-Teams mit MQLs, SQLs und Pipeline-Velocity argumentiert. Aber wenn am Ende des Quartals die Umsatzzahlen nicht stimmen, hilft die schönste Dashboard-Metrik nichts. CEOs fragen jetzt nach echtem Impact – und das bedeutet nicht nur kurzfristige Leads, sondern nachhaltiges Wachstum.

 

Andy Burrell formuliert es so: “Wenn Sie können, versuchen Sie, etwas Neues und Disruptives zu tun. Das mag wie ein Risiko erscheinen, und es ist einfach, das gleiche Playbook erneut abzuspielen. Aber tatsächlich ist das größere Risiko, das Gleiche zu tun wie alle anderen.”

 

Mut ist keine Marketingstrategie – oder doch?

 

Hier wird es interessant. Denn Mut klingt nach einem weichen Faktor. Nach etwas, das man in Workshops bespricht, aber nicht in Excel-Tabellen eintragen kann.

 

Aber Mut ist messbar. Nicht in Klicks. Nicht in Impressions. Sondern in Marktanteilen. In Preissetzungsmacht. In der Fähigkeit, Talente anzuziehen. In der Loyalität von Kunden, die zu Fürsprechern werden.

 

Burrell nennt ein konkretes Beispiel: “Gehen Sie zurück in die Zukunft und erkunden Sie physische Events. Der Wunsch, sich zu verbinden und zu erkunden, ist tief in der menschlichen Natur verwurzelt. Bevor Menschen Geld mit Ihnen ausgeben, verbringen sie Zeit mit Ihnen. Es gibt auch viel Raum zur Differenzierung: Die meisten Events folgen einem traditionellen Format, und Anbieter geben viel Geld aus, um fast genau wie ihre Konkurrenz auszusehen.”

 

Das ist Mut. Nicht weil Events neu sind – sondern weil sie gegen den Strom schwimmen. In einer Zeit, in der alle auf digitale Skalierung setzen, sagt Burrell: Investiert in echte Begegnungen. In Momente, die nicht in einem Dashboard auftauchen, aber den Unterschied machen.

 

Ein weiteres Beispiel für Mut: Simplicity. Burrell nennt es die größte Herausforderung in seinem Job bei Nokia. “Es umfasst die Komplexität unseres Portfolios, unserer Organisation, der Herausforderungen unserer Kunden, die Art und Weise, wie Buying Groups zu einer Entscheidung kommen, und so weiter. Wir müssen unsere Operationen, unser Angebot und unsere Botschaften vereinfachen. Das ist leichter gesagt als getan.”

 

Simplicity ist Mut. Denn es bedeutet, Nein zu sagen. Nein zu Features, die niemand braucht. Nein zu Botschaften, die nur intern Sinn ergeben. Nein zu Kampagnen, die zwar alle Stakeholder zufriedenstellen, aber keine echte Wirkung haben.

 

Die mutigsten Marken sind nicht die lautesten. Sie sind die klarsten.

 

Was das für Ihr Marketing bedeutet

 

Wenn Sie diesen Artikel bis hierhin gelesen haben, fragen Sie sich wahrscheinlich: “Okay, aber was mache ich jetzt konkret?”

 

Hier sind drei Ansatzpunkte, die nicht nach Buzzwords klingen, sondern nach echten Entscheidungen:

 

1. Hören Sie auf, Ihre Marke zu verstecken

 

Schauen Sie sich Ihre letzten zehn LinkedIn-Ads an. Ihre letzten fünf E-Mail-Kampagnen. Ihre Website. Ehrlich: Würden Sie erkennen, dass das von Ihrem Unternehmen kommt, wenn das Logo fehlen würde?

 

Wenn die Antwort “nein” ist, haben Sie kein Performance-Problem. Sie haben ein Marken-Problem.

 

Ihre Marke ist nicht Ihr Logo. Es ist nicht Ihre Farbpalette. Es ist die Art, wie Sie denken. Die Perspektive, die Sie einnehmen. Die Fragen, die Sie stellen. Die Überzeugungen, für die Sie stehen.

 

Performance-Marketing ohne Marke ist wie ein Funnel ohne Wasser. Er funktioniert technisch – aber es kommt nichts raus.

 

2. Investieren Sie in das, was Sie nicht messen können

 

Das klingt nach Ketzerei in einer datengetriebenen Welt. Aber hier ist die Wahrheit: Die wichtigsten Dinge im B2B-Marketing sind nicht direkt messbar.

 

Vertrauen? Nicht messbar. Reputation? Nicht messbar. Die Tatsache, dass jemand an Sie denkt, wenn er ein Problem hat? Nicht messbar.

 

Das bedeutet nicht, dass Sie blind investieren sollen. Es bedeutet, dass Sie akzeptieren müssen, dass nicht alles in einem 30-Tage-Attribution-Fenster auftaucht.

 

Laut eMarketer-Daten ist die größte Herausforderung beim Brand-Building die Messung des ROI. Aber wissen Sie, was noch schwieriger zu messen ist? Der Schaden, den Sie anrichten, wenn Sie keine Marke aufbauen.

 

3. Machen Sie Ihre Kunden zu Helden

 

Burrell nennt Customer Advocacy als die am meisten übersehene Herausforderung im B2B-Marketing. “Die erste Frage, die jeder potenzielle Käufer stellt, ist: ‘Wer hat das schon benutzt?’”

 

Und doch kämpfen die meisten Unternehmen darum, Kunden dazu zu bringen, eine Pressemitteilung, eine Case Study oder ein Video-Testimonial zu genehmigen.

 

Warum? Weil sie ihre Kunden nicht zu Helden gemacht haben. Sie haben sie zu Referenzen gemacht. Zu Logos auf einer Slide. Zu Zahlen in einer Success Story.

 

Die besten B2B-Marken machen ihre Kunden zu Protagonisten. Sie erzählen deren Geschichten. Sie feiern deren Erfolge. Sie bauen Plattformen, auf denen Kunden sich austauschen, lernen und wachsen können.

 

Das ist keine Taktik. Das ist eine Haltung.

 

Die unbequeme Wahrheit: Sicherheit ist das größte Risiko

 

Lassen Sie uns zum Anfang zurückkehren. B2B hat die Orientierung verloren. In Klicks. In Leads. In Sicherheit.

 

Die Ironie? Sicherheit ist das größte Risiko.

 

Sicher zu spielen bedeutet, das zu tun, was alle tun. Die gleichen Kanäle zu nutzen. Die gleichen Botschaften zu senden. Die gleichen Metriken zu optimieren.

 

Und in einem Markt, in dem alle das Gleiche tun, gewinnt niemand. Außer vielleicht Google und Meta.

 

Die Unternehmen, die jetzt gewinnen, sind nicht die mit den größten Budgets. Es sind die mit der klarsten Überzeugung. Die, die wissen, wofür sie stehen – und den Mut haben, es zu zeigen.

 

Andy Burrell sagt es so: “Das größere Risiko ist, das Gleiche zu tun wie alle anderen.”

 

Oder anders formuliert: Wenn Ihr Funnel stockt, liegt es selten am Kanal. Fast immer liegt es am Mut.

 

Bereit für den Shift?

 

Der B2B Brand Shift ist keine Theorie mehr. Er passiert. Jetzt. Die Frage ist nicht, ob Sie sich anpassen müssen – sondern wie schnell Sie es tun.

 

Bei EPOS glauben wir, dass strategisches Marketing mit Empathie beginnt. Mit dem tiefen Verständnis dafür, wer Ihre Kunden wirklich sind, was sie antreibt und warum sie Ihnen vertrauen sollten. Daraus entsteht Positionierung. Orientierung. Und schließlich: Strategie.

 

Keine Taktiken ohne Fundament. Keine Performance ohne Marke. Keine Skalierung ohne Überzeugung.

 

Wenn Sie bereit sind, Ihr B2B-Marketing neu zu denken – nicht mit mehr Budget, sondern mit mehr Klarheit – dann starten Sie hier. 

 

Denn die Welt wartet nicht auf sichere Marken. Sie wartet auf mutige.

Klingt gut?

Dann nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf. Wir sind gespannt auf Ihre Pläne und Projekte.

 

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